Die Horror Literatur
Mein Genre ist Horror, in allen Formen. Aber ich will mich hier einmal nur auf die Literatur beschränken. Ich persönlich schreibe Horror sehr gerne und ich lese ihn auch immer wieder. Auch wenn es heute bei der unvermeidlichen eher durchschnittlichen Masse an Horrorliteratur nur noch wenige Perlen gibt und diese auch meist nur schwer zu finden sind, so sind sie manchmal doch da.
Geschichte
Die Geschichte des Horrors in der Literatur ist denke ich nicht so schnell erzählt, auch weil es schwer ist sie in aller Tiefe zu erzählen. Sehr häufig wird der Beginn der Horrorliteratur mit den Schauergeschichten gleichgesetzt, die im 18. Jahrhundert Einzug in das literarische Schaffen hielten. Davon will ich mich aber bewusst distanzieren, auch wenn ich selbst gerne eine Schauergeschichte lese oder schreibe. Horror ist für mich eben keine Schauergeschichte. Doch, und das dürfte durchaus richtig sein, sind die Autoren die sich dem Horror zugewendet ihn entwickelt und etabliert haben, der Schauergeschichte entsprungen oder haben sich zumindest mit dieser auseinander gesetzt. Einer der ersten Vertreter dieses Genres ist und bleibt Edgar Allan Poe. Er hat es auf vortreffliche Weise geschafft die Horrorliteratur zu festigen und ihr sogar etwas mitzugeben. Die moderne Kurzgeschichte nämlich. Die Geschichte der modernen Kurzgeschichte ist also sehr eng verwoben mit der Geschichte der Horrorliteratur. Beide sind zu einem Siegeszug angetreten und haben ihn letzten Endes auch gewonnen. Natürlich kann die Kurzgeschichte mehr, das haben später auch zahlreiche erfolgreiche deutsche AutorInnen bewiesen, dass der Horror auch mehr kann, das haben ebenso zahlreiche AutorInnen weltweit bewiesen. So kann man heute zahlreiche Gattungen unterscheiden, die seichte Vampirgeschichte, ebenso wie die knallharte Splatterstory und alle Facetten dazwischen.
Weird Fiction
Im Zusammenhang mit Horror muss man die Weird Fiction erwähnen. Die Weird Ficiton (weird steht für bizarr, sonderbar, fremd, gruselig, … und Fiction eben für Dichtung oder schlicht Belletristik) umfasst mehr als der Horror und heute müsste man eigentlich korrekterweise zu allen kleinen Untergattungen den Übergriff Weird Fiction heranziehen. Auch weil er es umfassender erklärt und beschreibt. H.P. Lovecraft, der unter anderem in Weird Tales veröffentlicht hat, ist denke ich ein typischer Vertreter dieser Art von Geschichten. Auf der einen Seite klare Ansätze einer guten Horrorgeschichte, dann aber auch schnell ins bizarre, absonderliche abdriftend. Nicht unerwähnt lassen will ich aber auch Clark Ashton Smith, der ebenso zahlreich in Weird Tales auftaucht und auch ansonsten sehr produktiv war.
Was will Horror?
Der Horror in der Literatur will eigentlich eines, er will schockieren, er will lähmen, er will Angst machen. Dazu setzt er die unterschiedlichsten Elemente ein. Horror will aber auch mit der Angst des Lesers spielen, ihn in den Bann ziehen, ihn fesseln. Häufig völlig normal wirkende Szenerien in einen dunklen Abgrund ziehen und dort den Leser verschlingen. Horror will aber auch schlicht unterhalten. Horror hat also einen zuerst einmal sehr einfach wirkenden Auftrag, er will nicht sozialkritisch sein (was er manchmal aber doch ist), er will nicht belehren oder gar politisch sein. Auch wenn solche Elemente immer wieder darin vorkommen können, gerade die Thematik Umweltverschmutzung und ihre Folgen ist so ein Beispiel, aber auch die Fehlbarkeit des Menschen. Immer wieder aber auch Kirche, Religion, die durchaus viele AutorInnen fasziniert haben. Doch, an erster Stelle steht die Unterhaltung, keine Leserin und kein Leser einer Horrorgeschichte würde behaupten ein Horrorbuch gelesen zu haben, weil er/sie sich mit dem Thema der Umweltverschmutzung beschäftigen wollte. Schlicht und einfach will Horror also unterhalten. Das klingt einfach, ist es aber nicht.
Ängste
Der Mensch ist ein sehr spannendes Wesen, dies macht es möglich ihm auch Angst zu bereiten. Er hat meist schlicht Angst um das nackte Überleben und dieser Umstand ist natürlich ideal geeignet um ihn in einer Horrorgeschichte zu unterhalten. Gerade die Normalität die in den meisten Horrorgeschichten am Anfang steht, die den LeserIn in Sicherheit wiegt ist gut geeignet um seine Ängste zu wecken. Je alltäglicher, je normaler eine Geschichte beginnt, je sicherer sich der Leser, die Leserin fühlt um so besser werden dann die Ängste aktiviert, wenn etwas nicht mehr stimmt. Schafft der Autor es erst einmal den Leser von der Normalität der Szene zu überzeugen, ihn also in Sicherheit zu wiegen, kann auch die erste Ankündigung des Schrecklichen, das gleich geschehen wird ihn nicht schockieren. Ich finde hier passt die Szene aus dem Film The Fog (John Carpenters Film) einfach perfekt um das anschaulich zu erläutern. Alles wirkt normal, Leute gehen ihrem Tageslauf nach, nichts ungewöhnliches, der Nebel der aufzieht wirkt zwar sehr dicht und die Spannung ist kurz spürbar, aber trotzdem wiegt der Zuschauer sich erst einmal in Sicherheit. Bis dann der Nebel etwas ausspuckt. Aus der normalen Szenerie wird mit einem Mal Horror, jetzt plötzlich von einer Sekunde zur nächsten. Und der Nebel der nun sich auf die Küste wälzt wird mit einem Mal nicht mehr als normaler aufziehender Nebel wahrgenommen, sondern als Gefahr. Genau solche Szenen finden sich auch in zahlreichen Büchern und Geschichten des Horrorgenres wieder. Etwas alltägliches, etwas völlig normales, wie ein Auto oder eine Wäschemangel wird plötzlich zur Gefahr. Die Genialität hinter dieser Angst ist etwas besonderes. Denn der LeserIn kann sich mit der Gefahr identifizieren, der nächste Nebel, nachdem ersten Mal The Fog schauen wird mit einem Mal ein völlig anderes Erlebnis sein. Die Angst klingt nach, dann ist die Geschichte perfekt.
Formen
Die Horrorliteratur hat eine große Anzahl von Formen, einige will ich einmal näher beleuchten, andere nur kurz streifen. Mir geht es hier also sicherlich nicht um Vollständigkeit, auch nicht um eine Unterteilung in gute und schlechte Horrorlitertatur, sondern schlicht und einfach darum einige der vielen Gattungen hervorzuheben oder sie in ein anderes Licht zu rücken.
Nehmen wir doch gleich einmal einen Vertreter, dem ich bewusst eine eigene Gattung geben will, auch wenn es dies wohl ursprünglich nicht so war. Die Vampirgeschichte. An sich ist diese spezielle Gattung sehr eng geknüpft an ein spezielles Monster der Horrorliteratur, dem Vampir. Bram Stoker hat es mit seinem Werk Dracula geschafft einen Mythos, der vorher schon in anderen Geschichten existierte, zu manifestieren, der aus der heutigen Horrorliteratur nicht mehr wegzudeuten ist. So gesehen hat es der Vampior auch verdient, ihm eine eigene Gattung in diesem Genre einzurichten. Vampire sind nach wie vor mystische Wesen, die gerne benutzt werden. Man schaue auf die Romanreihe von Stephenie Meyer, über die sich zweifelsohne diskutieren lässt. Schon allein ob diese nun wirklich Horror sind, sind sie es? Ich denke ja, ja, weil sie Vampire enthalten und diese nun mal den Horror in eben auch diesen Geschichten ausmachen. Ja aber auch, weil sie eine spezielle Komponente des Vampirs besonders hervorheben, die sexuelle Anziehungskraft die Vampiren gerne nachgesagt wird. Diese erotische Komponente macht Vampire eben auch gut geeignet für Jugendbücher. Und gerade junge Mädchen sind eben die Zielgruppe der “Twilight-Reihe”. Dieses Romantikgefühl bringen Vampire aber auch gut zur Geltung. Die Art und Weise wie Vampire gesehen werden hat sich aber nicht erst seit dieser Romanreihe verändert. Der Vampir ist durch unzählige Geschichten längst in alle Richtungen ausgeschlachtet worden und wird es auch weiterhin. Das ist auch schön so, denn trotz dieser zahlreichen Geschichten die ich schon über Vampire gelesen habe, erfreue ich mich immer wieder an guten Vampirgeschichten und die dürfen auch gerne blutig sein.
Und blutig sein führt mich dann gleich zu einer weiteren Gattung an Horrorgeschichten, die man gerne mit Splatter bezeichnet. An sich ist dieser Begriff aus der Filmszene entlehnt, passt aber auch zu gut auf zahlreiche Geschichten aus der Horrorliteratur. Splatter wurde auch lange Zeit in der Filmszene als Schund bezeichnet, hat heute aber ein ganz anderes Gesicht und gilt durchaus als Unterhaltung. Splattergeschichten, da ich ja die Literatur im Blick habe, sind jedoch sehr viel seltener und es ist schon auch gar nicht so einfach hier klare Linien im Horrorgenre zu ziehen. Ich tue das aber dennoch, denn ich halte Splatter für eine spannende Form der Horrorliteratur, die zudem noch ein wenig Zuwachs vertragen kann. Die Schwierigkeit an diesen Geschichten ist schnell klar, es ist die explizite Darstellung von Gewalt im übermässigen Sinne. Es ist viel einfacher mit guter Tricktechnik in einem Film eine Splatterszene darzustellen, als sie mit Worten zu beschreiben. Darin besteht auch die Kunst, ein Autor muss es auf der einen Seite mit einer gewissen Leichtigkeit gelingen solche Szenen zu beschreiben, auf der anderen aber dennoch den eigentlichen Horror nicht außer Acht lassen.
auch hier schreibe ich weiter