Über das Schreiben

Update: Aug 5th, 2009

Dies wird vermutlich eine längere Sache, aber ich fange einfach mal an.

Wenn ich gefragt werde, und das passiert sogar manches Mal, warum schreibst du? Dann muss ich sagen fällt mir die Antwort gar nicht so leicht, wie man nun vermuten könnte. Denn, das weiß ich, ich schreibe weil es mir wichtig ist, weil ich Spaß daran habe, weil ich damit Dinge erzählen kann die mir wichtig sind, weil ich mich freue wenn Menschen meine Geschichten lesen, etc.pp. Aber ist das alles, steckt hinter diesem Hobby nicht auch ein gewisser Zwang? Auf der einen Seite ist es natürlich mein Anspruch, mein Hobby zu betreiben, es ist einfach für mich eine spannende Sache, einen vorher erdachten Plot in eine Geschichte zu zwängen und mit Worten für Dritte aus zu gestalten. Dabei geht es mir sehr wohl immer darum bestimmte Reaktionen zu erreichen, ich will Angst erzeugen, oder Mitleid erregen, oder Lust machen, Spannungen aufbauen, Wendungen herbeiführen oder einfach auch mal einen Lacher provozieren. Mir ist es aber auch immer wieder wichtig schlicht zu unterhalten, eine gute Geschichte zu schreiben die dann auch gelesen wird. Ob das eine Person ist oder einhundert sei erst einmal tatsächlich egal. Klar die einhundert sind mir sicherlich lieber, denn irgendwie wäre es einfach Schade eine Geschichte zu schreiben die dann nur einer oder gar keiner liest. Auf der anderen Seite will ich aber auch das handwerkliche Geschick des Schreibens verbessern. Das ist schlicht und einfach gesagt eine praktische Sache. Nicht nur das Spiel mit Worten ist interessant, sondern auch der Versuch Sinneseindrücke in Worten einzufangen und sie so lebendig zu machen. Ob das nun eine Splatterszene in einer Horrorgeschichte ist oder eine zärtliche Annäherung eines jung verliebten Paares, beides kann faszinierend sein und für mich ist beides gleich spannend wenn ich damit spiele. Spielen? Ist Schreiben ein Spiel? Nun in gewisser Weise schon. Der Autor versucht ja explizit Gefühle des Lesers anzusprechen, damit zu spielen. Auf der anderen Seite ist Schreiben für den Autor durchaus auch ein interessantes Spiel, unter Umständen mit den eigenen Gefühlen. Aber nun sollte niemand annehmen alles sei irgendwie auch im Leben des Autors verwurzelt, dem ist nicht so. Dann müsste man so manchen Krimiautoren oder Horrorautoren längst einsperren. Sie spielen einfach nur gerne mit diesen Gedanken und manchmal ist auch eine kleine Spur von ihnen im Text enthalten, manchmal aber auch eben nicht.

Bei der Suche nach Ideen für Geschichten, ob für eine Kurzgeschichte, eine Novelle oder eine Saga mit 12 Bänden, muss der Autor eigentlich nur durchs Leben gehen. Es kann sein, dass alte Erinnerungen an die Kindheit eine Geschichte entstehen lassen. Aber auch selbst Gelesenes oder Gesehenes kann zu einer Geschichte werden. Die Gedanken eines Autors sind meist auf irgendwelchen Reisen und lassen sich so nur schwer einfangen. Immer denkt ein Teil meines Gehirns an eine Geschichte, nur in seltenen Momenten ist dem nicht so. Dies sind meist Momente emotionaler Höchstspannung. Ansonsten aber ist es eher wie in einem bunten Bauerngarten, überall wächst etwas, an anderer Stelle reift schon etwas und hier und da wird neu gesät. Die Ideen sind eigentlich auch nie das Problem bei einer Geschichte, oder eher selten, die eigentliche Aufgabe ist der handwerkliche Schreibakt und letzten Endes das finalisieren einer Geschichte. Damit verbringe ich die meiste Zeit. Dann versuche ich auch meine Gedanken mehr auf diese Geschichte zu konzentrieren und nicht abschweifen zu lassen. Im übrigen wird das sehr unterschätzt. Für viele Leser, mit denen ich diskutiert habe, ist es immer die Idee welche sie für den schwersten Teil einer Geschichte halten. Viele berichteten mir sogar, dass sie nur deswegen nicht selbst auf den Gedanken kommen würden zu schreiben, weil sie keine Idee hätten was. Da habe ich mir einmal ein kleines Experiment erlaubt und drei Leute die ich kenne eine Idee aus einer meiner Geschichten gegeben. Im übrigen hat sich bei allen dreien die Meinung dazu geändert, sie sind nun der Meinung, dass nicht die Idee den Großteil der Arbeit eines Autors einnimmt. Wer also mit dem Schreiben anfangen will, sollte nicht warten, einfach loslegen. Je mehr Texte ein Autor schreibt, desto eher wird er gut und vor allem sicher in seinem Schreiben.

Die Frage wie viel ich durchs Schreiben verdiene ist immer leicht zu beantworten. Nichts, an sich ist das Schreiben ein Minusgeschäft. Das liegt nicht einmal daran, dass ich nicht hier und da auch einmal etwas veröffentliche. Es ist schlicht so, dass die wenigsten Verlage in der Lage sind hohe Summen (oder überhaupt etwas) an die Autoren zu zahlen. Zumindest bei den kleinen Verlagen ist es einfach nicht drin und das kann ich auch verstehen. Die Wahrscheinlichkeit als Schriftsteller gar von seinem Arbeiten zu Leben ist noch unwahrscheinlicher. Dies bedeutet somit leider auch, dass die Anzahl der Werke die ein deutscher Schriftsteller produzieren kann weit hinter dem liegen zu dem er theoretisch in der Lage sein könnte. Einfach weil er für seinen Lebensunterhalt auch zusätzlich einer Tätigkeit nachgehen muss. Das wird im übrigen sehr häufig schwer unterschätzt. Auch wenn ich meiner Arbeit gerne nachgehe, mindert es einfach die Anzahl der Geschichten die ich schreiben könnte.

Mit dem Thema Veröffentlichen könnte ich dann gleich weitermachen, hängt es doch eng mit dem vorherigen Thema zusammen. Es gibt als Autor, gerade wenn man sich wie ich auf Kurzgeschichten eingeschossen hat, nur wenige gute Wege zu veröffentlichen. Aus meiner Sicht sind es viele Ausschreibungen mit sehr unterschiedlichen Themen die eine Veröffentlichung ermöglichen. Einfach immer wieder die Themen suchen und dann eine Geschichte einreichen, da sich meist immer sehr viele zu bestimmten Themen mit einer Geschichte melden ist es natürlich schwer viel zu veröffentlichen. Es macht in diesem Zusammenhang keinen Sinn sich thematisch einzuschränken, also bspw. zu sagen ich schreibe nur Krimis, also werde ich auch nur dort mitmachen, man nimmt sich viele Chancen. Gerade die Kurzgeschichte bietet einem Autor ja auch die Chance seine Genres, die er gerne und hauptsächlich bedienen will, zu verlassen und in anderen zu wildern. Aus meiner Sicht weiß ich, dass ich viele Themen und Genres nie angefasst hätte, wenn ich es nicht auch irgendwann einmal versucht hätte. Und da ist die Kurzgeschichte natürlich ideal.

Gerade hier scheiden sich dann auch wieder die Geister unter Autoren, die meisten sind schlicht der Meinung ich schreibe nun ein Buch. Nicht das ich dieses Ansinnen verwerflich finde, aber ein Buch zu schreiben heißt eine lange Durststrecke anzugehen. Es ist nicht mal so aus dem Ärmel geschüttelt, lange Recherchen gehören ebenso dazu wie lange Tage und Nächte des Schreibens, des Lesens und des Neuschreibens. Ein Buch entsteht nicht wie eine Kurzgeschichte mal eben auf der Zugfahrt nach Hause. Es dauert. Daher kann ich es unerfahrenen AutorInnen nur empfehlen sich in der Kurzgeschichte zu versuchen, Bücher schreiben kann man dann immer noch. Viele AutorInnen die ich bisher kennen gelernt habe klagen eben auch darüber, sie schreiben seit einem Jahr, seit zwei an einem Buch und werden damit einfach nicht fertig. Sie finden dann auch schwer jemanden, der das Manuskript einmal durchliest und überarbeitet, also lektoriert. Klar, wenn ich sowas nebenbei einmal mache, dann sicherlich nicht an einem fünfhundert Seiten Werk, sind es nur zehn Seiten, kein Problem. Die Kurzgeschichte hat aber sicherlich noch weitere Vorteile, neben dem schnellen Erfolg des fertigen Werkes. Sie bietet einem Autor die Möglichkeit sich zu versuchen, auszuprobieren wie sich Protagonisten entwickeln, wie man schnell Spannung aufbaut, wie man mit wenigen Worten eine gute Geschichte erzählen kann. Im Gegenzug ist ein Roman, ein Werk, dass von ausschweifenden Worten lebt. Hier muss man ins Detail gehen, einfach weil der Leser es auch fordert. Das muss auch gelernt sein und es schadet einem Kurzgeschichten AutorIn nicht sich auch darin zu versuchen. Mein persönliches schriftstellerisches Arbeitspensum ist leider zu unterschiedlich, ist in meinem Beruf zu viel zu tun, leidet gleich der Ausstoß an Seiten je Tag. Ich schreibe meist an mehreren Kurzgeschichten und derzeit auch an zwei Büchern. Das eine ist mittelprächtig gediehen und wird wohl in einem, vielleicht in zwei Jahren fertig werden. Das andere ist noch am Beginn, es wird ein wenig dauern. Die Kurzgeschichten schreibe ich meist an einem Tag, danach liegen sie erst einmal einige Tage (Wochen) und dann nehme ich sie mir nochmals vor, korrigiere sie also selbst, überarbeite sie meist recht komplett. Danach liegen sie nochmals eine Zeit, ehe sie dann nach einem weiteren kurzen Arbeitsgang an meine Lektorin gehen. Danach werden sie meist nochmals überarbeitet und landen dann im Vorrat der fertigen unveröffentlichten Geschichten. Mittlerweile ist da eine ziemliche Menge zusammen gekommen und das ist natürlich nicht ganz unpraktisch. Ich kann bei Ausschreibungen meist schnell mit einer fertigen Geschichte einsteigen. Da die meisten Themen weitläufig sind findet sich immer etwas. Nur bei sehr speziellen Ausschreibungen muss ich dann neu schreiben.

-> hier werde ich in Kürze weiterschreiben

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